

Bonn, 06.03.2025 – Während der Flutkatastrophe 2021 leisteten die DRK-Schwesternschaften schnelle und tatkräftige Hilfe. Dabei wurde deutlich, dass nicht nur die Pflege an sich, sondern auch die Bedürfnisse pflegender Angehöriger bislang nicht ausreichend in den strategischen Überlegungen des Bevölkerungsschutzes berücksichtigt wurden.
Kooperation für besseren Schutz pflegender Angehöriger
Diese Lücke soll nun geschlossen werden, erklärt Dr. Frauke Hartung, Oberin der DRK-Schwesternschaft „Bonn“ e.V. und Initiatorin des Kompetenzzentrums Pflege im Bevölkerungsschutz: „Mit unserem Kompetenzzentrum bringen wir das Thema Pflege als Handlungsfeld in den Bevölkerungsschutz und möchten mit den pflegenden Angehörigen nun eine weitere Säule mit aufnehmen“, so Dr. Hartung. „Wir müssen darüber nachdenken, wie wir pflegende Angehörige schulen und sie auf Krisensituationen vorbereiten. Wir freuen uns, dass wir mit „wir pflegen – Interessenvertretung und Selbsthilfe pflegender Angehöriger e.V.“ einen starken Partner gewonnen haben, mit dem wir diese wichtige Aufgabe angehen.“
Ziel der Zusammenarbeit ist, pflegende Angehörige zu sensibilisieren, dass in Krisensituationen schnell eine gewohnte Pflegeinfrastruktur wegbrechen kann und sie damit in die Situation kommen können, ihre zu pflegenden Angehörigen eine Zeit lang allein versorgen zu müssen. „Das hat uns die Flutkatastrophe 2021 gezeigt. Wir wollen ihnen Rüstzeug an die Hand geben und Hilfe zur Selbsthilfe leisten, damit sie in diesen Situationen schnell angemessen reagieren, den Wegfall der gewohnten Infrastruktur gut überbrücken können und ihre zu pflegenden Angehörigen gut versorgen können,“ so Dr. Hartung weiter.
„86 Prozent aller Pflege in Deutschland wird im häuslichen Bereich geleistet, zum Großteil von pflegenden An- und Zugehörigen. Für Katastrophensituationen müssen sie mitgedacht und ausreichend abgesichert werden“, erklärt Sebastian Fischer aus dem Bundesvorstand von wir pflegen e.V. „Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der pflegende Angehörige als gleichberechtigte Partner in der Pflege wahrgenommen und unterstützt werden. Sie müssen daher in die Entwicklung wirksamer Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes unbedingt eingebunden werden.“
wir pflegen e.V.: Einsatz für Anerkennung und Unterstützung
Der Bundesverband wir pflegen e.V. setzt sich seit 2008 für die Rechte und die Anerkennung pflegender Angehöriger ein. Zu den Schwerpunkten gehören die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, der Ausbau regionaler Selbsthilfestrukturen und die Interessenvertretung, um Pflege als gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu etablieren. Der Verband engagiert sich aktiv für die Förderung flexibler Entlastungsangebote, um pflegende Angehörige nicht nur in Krisensituationen besser zu unterstützen.
Fortbildungen stärken Handlungskompetenz in Krisensituationen
Das Kompetenzzentrum vermittelt Pflegefachpersonen derzeit das notwendige Wissen, um in Krisensituationen sicher und kompetent zu handeln. Durch die Kooperation mit „wir pflegen e.V.“ sollen künftig auch pflegende Angehörige auf solche Szenarien vorbereitet werden. Zudem ist es geplant, sie verstärkt mit professionell Pflegenden zusammenzubringen.
Ein Meilenstein für einen inklusiveren Bevölkerungsschutz
„Diese Kooperation ist ein wichtiger Schritt, um pflegende Angehörige in ihrer Doppelrolle als Pflegende und potenziell Betroffene stärker in den Fokus zu rücken und gezielt zu unterstützen“, resümiert Birgit Stennert, Projektleiterin des Bundesverbands.
Save the Date!
Schon jetzt möchten wir Sie auf zwei spannende Veranstaltungen hinweisen:
- Springer Webtalk am 8. Mai: Wie können wir Pflegepersonen auf Krisen- und Katastrophen vorbereiten? MODINA, Disaster Nursing in der Ausbildung
Eine gesonderte Einladung folgt in Kürze.
- Online Speakers’ Corner am 12. Mai: Unter dem Titel „Pflege im Bevölkerungsschutz – Notwendigkeit, Kompetenzen und Bildung“ diskutieren Expertinnen und Experten. Mit dabei: Prof. Dr. Ott von „wir pflegen e.V.“.
Melden Sie sich am besten gleich an – eine kurze E-Mail an
Ansprechpartnerinnen für die Presse:
Dr. Frauke Hartung, Oberin DRK-Schwesternschaft Bonn, Tel: 0228- 26 90 110
Birgit Stennert, Projektleitung „wir pflegen e.V.“, Tel: 030 – 4597 5750
Hinweis für die Presse:
Die vier DRK Schwesternschaften Bonn, Krefeld, Lübeck und die Württembergische Schwesternschaft vom Roten Kreuz haben sich in einem Kompetenzzentrum für den Bevölkerungsschutz zusammengeschlossen und bündeln ihre Expertise zum Thema. Sie bieten an den Standorten Bonn, Stuttgart, Lübeck und Nürnberg Termine für die Weiterbildung „Pflege im Bevölkerungsschutz“ an.
Das Kompetenzzentrum macht sich stark dafür, dass Pflege im Bevölkerungsschutz stattfindet und sichtbar ist. Pflegefachpersonen und Auszubildende in der Pflege werden fort- und ausgebildet, um im Katastrophenfall hilfs- und pflegebedürftige Menschen fachgerecht zu versorgen. Auch Leitungskräfte von Einrichtungen erhalten Schulungen, damit sie ihre Teams vorbereiten und im Ernstfall schnell und professionell handeln können. Eine weitere wichtige Gruppe, die im Kompetenzzentrum zukünftig ausgebildet wird, sind pflegende Angehörige. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Betreuung von hilfs- und pflegebedürftigen Menschen und sollen daher auf Notfälle besonders gut vorbereitet sein.