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Pflegereform 2026: Vereine pflegender Angehöriger warnen vor „Pflegeschwindel“
Pflegereform 2026: Vereine pflegender Angehöriger warnen vor „Pflegeschwindel“

Berlin, 8. April 2026 

wir pflegen e.V., der Bundesverband pflegender Angehöriger, und Pflegende Angehörige e.V. schlagen Alarm: Im Eckpunktepapier der Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ wird die Pflegereform 2026 als Vereinfachung und Verbesserung verkauft, tatsächlich drohen nach ersten Berechnungen von Pflegeexperten jedoch massive Kürzungen und Verschlechterungen für Millionen pflegender Familien.

„Was hier als große Reform angekündigt wird, droht in Wahrheit ein Etikettenschwindel zu sein“, erklärt Sebastian Fischer, Vorstandsmitglied wir pflegen e.V. „Wir befürchten, dass das System unter dem Deckmantel von Bürokratieabbau und gerechterer Verteilung so umgebaut werden soll, dass am Ende Milliarden in der Pflegeversorgung eingespart werden.“

„Die angekündigten Reformvorschläge verstecken milliardenschwere Kürzungen zu Kosten pflegebedürftiger Menschen und ihrer Familien. Sie haben jahrzehntelang in die Pflegeversicherung einbezahlt, doch jetzt soll weniger Geld, weniger Flexibilität und weniger echte Entlastung bei den Betroffenen ankommen.“

Weniger Geld für alle – als „Gerechtigkeit“ verkauft

Zentraler Kritikpunkt der Verbände pflegender An- und Zugehöriger ist die geplante Zusammenlegung bisheriger Leistungen in zwei neue Budgets: Ein ambulantes Entlastungsbudget (das heutige Pflegegeld) und ein neues Pflegesachleistungs-Budget. 

Was zunächst nach Flexibilisierung klingt, birgt erhebliche Risiken: Wenn die Gesamtausgaben – wie von der Regierung geplant – gedeckelt werden, bedeutet das konkret: Bisher verfügbare Leistungen werden auf mehr Menschen verteilt. Für viele intensiv pflegende Familien bedeutet das im Ergebnis massive Einbußen. Beispielrechnungen zeigen Kürzungen von bis zu 60 Prozent.

„Die mit den neuen Budgets verbundene Streichung von Verhinderungspflege, dem Entlastungsbetrag und der Kostenübernahme für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch wäre ein massiver Einschnitt in die häusliche Pflegesituation“, so Kornelia Schmid, Vorsitzende des Vereins Pflegende Angehörige e.V.. „Viele Familien, die heute auf diese Leistungen angewiesen sind, werden künftig deutlich schlechter dastehen.“

Flexibilität wird zerstört – Hilfe im Ernstfall fehlt

Besonders kritisch sehen die Vereine die geplante Umstellung auf monatliche Budgets. Bisher konnten pflegende Angehörige größere Beträge flexibel einsetzen – etwa bei Krankheit, Urlaub oder Krisensituationen. Wenn als angedachte Kompensation für die Streichung von jährlichen Leistungen in Höhe von über 5.600 Euro nur noch monatliche Beträge von unter 100 Euro zur Verfügung stehen, sind die Möglichkeiten eine kurzfristige Ersatzpflege zu organisieren eingeschränkt. „Gerade in Ausnahmesituationen brauchen Familien schnelle und ausreichende Unterstützung – nicht kleinteilige Monatsrationen“, kritisieren beide Vereine.

Realitätsferne Planung: Hilfe oft gar nicht verfügbar

Die bisher veröffentlichten Reformvorschläge setzen stark auf den Einsatz professioneller Pflegedienste. Doch diese sind vielerorts bereits heute überlastet oder oft gar nicht verfügbar. Die millionenfache Nachfrage flexibler Unterstützungsleistungen für zwei, drei oder vier Stunden und oft von heute auf morgen ist in diesem System arbeitsorganisatorisch vollkommen unrealistisch. Gleichzeitig sollen niedrigschwellige Hilfen wie die Nutzung von Verhinderungspflege und der Entlastungsbetrag zur Nachbarschaftsunterstützung, die bei fehlender Versorgung vor Ort selbstbestimmt eingesetzt werden können, gänzlich abgeschafft werden.

„Hier wird erneut an der Lebensrealität vorbeigeplant“, kritisiert Sebastian Fischer. „Was nützt ein theoretisches Budget, wenn es niemanden gibt, der die Leistung erbringen kann? Oder wenn Betroffene passgenauere Hilfe in Anspruch nehmen wollen?“

Die Vereine fordern daher:

  • Leistungen wie die Verhinderungspflege und der Entlastungsbetrag müssen unbürokratisch und flexibel erhalten bleiben und tatsächlich zur Verfügung stehen
  • eine realistische Pflegeplanung auf Bund-, Länder und Kommunalebene, die pflegende Angehörige einbindet und aufgrund fehlender Versorgung vor Ort selbstbestimmte Nutzung von Leistungsansprüchen erweitert
  • keine Kürzungen zulasten derjenigen, die den größten Teil der Pflege leisten.

„Pflegende An- und Zugehörige tragen das gesamte Pflegesystem. Nicht nur auf dem Papier, sondern jeden Tag in der Realität. Der wirtschaftliche Wert ihrer unbezahlten Leistungen wird auf über 200 Milliarden Euro jährlich geschätzt – wer hier kürzt, gefährdet die gesamte Versorgung.“

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Kontakt: Lisa Thelen, 030 4597 5750, medien(at)wir-pflegen.net

Quelle: Pflege-Dschungel. https://pflege-dschungel.de/pflegereform-2027-budgetstrategie/

Informationen zu den Vereinen:

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Telefon: 030 – 4597 5750   
E-Mail: info(at)wir-pflegen.net

Die gesellschaftliche Verantwortung und gemeinschaftliche Selbsthilfe zu stärken und Angehörigen über den Austausch mit anderen Pflegenden mehr Anerkennung, Kontakt und Informationen zu geben, ist ein Ziel des Bundesverbandes wir pflegen e.V. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Interessenvertretung gegenüber der Länder- und der Bundespolitik. Der Verband und seine acht Landesvereine setzen sich für nachhaltige Verbesserungen in der häuslichen Pflege ein. 

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Der Verein Pflegende Angehörige e.V. ist eine bundesweit aktive Interessenvertretung für Menschen, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Gegründet von Betroffenen, setzt sich der Verein für mehr gesellschaftliche Anerkennung, bessere politische Rahmenbedingungen und konkrete Entlastungsangebote ein. Ein Schwerpunkt liegt auf der Vernetzung von pflegenden Angehörigen sowie dem Austausch von Erfahrungen und praxisnahen Informationen. 

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