Aktuelles

Pflege-Triage-Gipfel der Ruhrgebietskonferenz-Pflege


31. Januar 2024

„Stiller Rationierung“ durch Fach- und Arbeitskräftemangel entgegenwirken

Arbeitgeber aus der Pflege und „wir pflegen – Selbsthilfe und Interessenvertretung pflegender Angehöriger in NRW e.V.“ laden gemeinsam zum offenen Dialog über die aktuelle Situation in der Langzeitpflege ein. Am 26. Februar 2024 findet von 10:00 Uhr bis 13:00 Uhr der erste digitale „Pflege-Triage-Gipfel“ auf Zoom statt.

Der Fach- und Arbeitskräftemangel in der Pflege spitzt sich zu. Meldungen von Insolvenzen und Schließungen ambulanter Pflegedienste und stationärer Einrichtungen reißen nicht ab. Betroffene Familien berichten zunehmend von der vergeblichen Suche nach Unterstützung und Entlastung durch professionell Pflegende. Unsichtbare Warteschlangen für ambulante Dienste, Kurzzeit- und Tagespflegen sowie stationäre Einrichtungen werden immer länger. Es fehlt zunehmend vielerorts an Personal.

In einigen Kommunen in NRW lassen Altenheimträger bis zu 10 Prozent der Pflegebetten „freiwillig“ leer stehen, weil sie nicht genug Fachkräfte bereitstellen können, um die vereinbarte Qualität zu gewährleisten. Andernorts streichen ambulante Dienste Touren zusammen und kündigen Pflegeverträge mit den Patient*innen, weil sie die stetig steigende Nachfrage nicht mehr befriedigen können und sie der Kostendruck zu noch mehr Effizienz bei der Leistungserbringung zwingt.

Jetzt kommt ein weiteres „Phänomen“ der aktuellen Misere hinzu: Die so genannten „Pflege-Triage“ droht, kranke und hilfebedürftige Menschen mit größtem Pflegebedarf im Stich zu lassen.

Während der Corona-Pandemie tauchte der Begriff „Triage“ immer mal wieder in der öffentlichen Diskussion auf. Er beschreibt im medizinischen Kontext die Einteilung von Patienten nach der Schwere ihrer Verletzungen. Dadurch können Ärzte und Pfleger leichter entscheiden, wer zuerst behandelt wird. In der Notfallmedizin heißt das heutzutage: leichte Fällen können warten und schwere Fälle werden bevorzugt. In der ursprünglichen aus der Militärmedizin stammenden Bedeutung mit dem Ziel möglichst viele Patienten zu retten heißt dies jedoch, die schwersten hoffnungslosen Fälle nicht zu behandeln.

In der Langzeitpflege erleben wir gerade eine Triage in dieser ursprünglichen Bedeutung, nämlich die Bevorzugung von leichten Pflegefällen und eher einfachen Versorgungen. Betroffene berichten, dass schwere und damit zeitintensive Fälle, meist Pflegegrade 4 und 5, die oft auch den Einsatz von Spezialist*innen erforderlich machen, von Pflegediensten und auch von stationären Einrichtungen immer häufiger abgelehnt oder gekündigt werden.

Welche Auswirkungen hat die „Pflege-Triage“? Wie unterscheiden wir zwischen bedarfsgerechter Priorisierung und bedarfsblinder Triage? Wer hat Verantwortung, die Versorgung derer zu gewährleisten, die unsere Hilfe dringend benötigen? Welche Lösungen können Familien und Pflegedienste hier unterstützen?

Schon heute sind viele der pflegenden Angehörigen am Rande ihrer Kräfte. Weiter wachsende Pflegeverantwortung führt zu einer absehbar auch deutlich zunehmenden Überforderung vieler Familien, die die herausfordernden Pflegesituationen ohne Entlastung nicht bewältigen sollen. Es droht ein Kollaps in der Versorgung der weitere vermeidbare Krankenhauseinweisungen zur Folge haben muss. Denn viele Angehörigen sind schon heute am Limit und ruinieren ihre eigene physischen und psychischen Gesundheit.

Die Ruhrgebietskonferenz-Pflege will zusammen mit „wir pflegen e.V.“ die Dimensionen, Ausprägungen, Hintergründe und absehbaren Konsequenzen der „Pflege-Triage“ ausloten. Es darf aber nicht bei einer Zustandsbeschreibung bleiben. Der Pflegenotstand zwingt uns, gemeinsam Ideen zur Problembewältigung zusammenzutragen und konkrete Lösungsvorschläge zur Diskussion stellen.

Dazu haben wir eine Mischung aus Impulsgebern und Gesprächspartnern aus den Reihen der Betroffenen sowie Arbeitgeber aus der Pflege eingeladen. Uns geht es um die möglichst breite Information der Öffentlichkeit und den Austausch mit politischen sowie behördlichen Entscheidungsträgern, um dem Phänomen der „Pflege-Triage“ möglichst schnell und wirksam begegnen zu können. Denn auch die Arbeitgeber aus der Pflege und ihre Mitarbeitenden halten diese Praxis für unvereinbar mit ihren eigenen ethischen Ansprüchen an eine gute Pflege.

Zielgruppe(n):
Eingeladen zum „Pflege-Triage-Gipfel“ sind alle Betroffenen und Entscheider*innen aus dem Gesundheits- und Pflegesektor, die in naher Zukunft am Gelingen der Versorgung von pflegebedürftigen Menschen mitwirken wollen. Eingeladen sind auch alle Politiker*innen, Vertreter*innen aus den Kommunen und von Kostenträgern, die Verantwortung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten tragen. Nicht zuletzt sind auch alle Medienvertreter*innen eingeladen, die sich ein umfassendes Bild von den Ausprägungen der „Pflege-Triage“ machen wollen.

Format und Programm:

Impulsbeiträge

  • „Betten raus!?“ – Über Ursachen und Hintergründe der „stillen Rationierung“ in der Pflege – Ulrich Christofczik (Geschäftsführer der Evangelischen Dienste Duisburg und Sprecher der Ruhrgebietskonferenz-Pflege)
  • „Von unsichtbaren Warteschlangen in der ambulanten Pflege“ – Daniela Zühlke (stellvertretende Pflegedirektorin der Diakoniestationen-Essen)
  • „Spezialpflege auf dem Abstellgleis!?“ – Nicole Wern (Geschäftsführerin Ärztehaus-Scharf und Leiterin ICW-Regionalgruppe Münsterland)
  • „Not bei schwerer Pflegebedürftigkeit – leere Versprechen!“ – Edeltraut Hütte-Schmitz (Geschäftsführender Vorstand von wir pflegen e.V.)

Gesprächsrunde

  • Dr. Martin Schölkopf (Leiter der Abteilung „Pflegeversicherung und -stärkung“ im Bundesministerium für Gesundheit)
  • Thorsten Klute (Sprecher für Gesundheitspolitik der SPD im Landtag von NRW)
  • Helmut Wallrafen (Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach)
  • Notburga Ott (Beisitzerin im Vorstand von wir pflegen e.V.)

Moderation:
Roland Weigel (Ruhrgebietskonferenz-Pflege)

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